Tja, wie man letztens merkte, blogge ich wieder. Diesmal habe ich auch jede Menge Stoff, da ich einerseits die Nordseeinsel Amrum und andererseits die Stadt Leipzig heimsuchte. Die Erzählungen sollen aber dort beginnen, wo auch die Reise begann: Am Bahnhof Spittal.

Erste Überraschung: Der Zug, der mich in die Nähe des Flughafens bringen sollte, ist auf Grund des Schienenersatzverkehrs, den wir einer Baustelle im Mölltal zu verdanken haben, ziemlich arg verspätet. Sauer war ich zwar auf die Bahn, da ich aber mittlerweile einige Erfahrung mit der deutschen Bahn sammeln durfte, hielt sich mein Grant in Grenzen. Außerdem habe ich mir das Sommerticket gekauft und somit keinen direkten Verlust.
Also gut, normalen Zug genommen und in den Bus umgestiegen – hier kommt der indirekte Verlust. Zumal der dämliche Bus nicht bis zum Flughafen fährt, sondern ca. 0,8 km davon entfernt seine Haltestelle hat. KLU, auch bekannt als „Klagenfurt International Airport“ (haha), war damit in meinen Augen der dümmste Flughafen des Westens. Aber gut, erstmal am Flughafen, habe ich meine Koffer abgegeben und mich dann auf ein Eis ins Flugcafé gesetzt. Der Mittagskogel [BILD] Koschuta (wtf? nie davon gehört…) präsentierte sich herrlich, leider war es aber recht bewölkt.

Bei der Sicherheitskontrolle hat die Kontrollorin natürlich wegen dem Fläschchen Augentropfen rumgemotzt, auf das ich komplett vergessen hatte – ist ja bei mir eine Normausrüstung. Zu ihrem Glück verzichtete sie darauf, es in ein wieder verschließbares Plastiksackerl zu packen. Auch mein Notizbuch wurde natürlich getrennt durchleuchtet – paranoider Staat! Vermutlich wäre es mir ein Leichtes, hundert Kilogramm semtex an Bord des Flugzeugs zu bringen, wenn ich es denn wirklich wollte (und das semtex hätte).
In der Abflugwartehalle habe ich dann den Massen dabei zugesehen, wie sie es alle total eilig hatten, abgefertigt zu werden. Ich meine, was bringt es einem bei einer geschätzten durchschnittlichen Abfertigungsgeschwindigkeit von 0,3 periodisch Personen pro Sekunde pro menschlicher Ressource, sich schon zwanzig Personen zuvor zu erheben? Waren sogar die fünf bei mir noch drei zu viel…
Ich hatte mit meinem Platz mehr oder weniger Glück – wir waren nur zu zweit auf einer Dreierbank und auch noch am jeweils anderen Ende. Pech hatte ich allerdings insofern, dass ich die Gangseite erwischte. Typisch, entweder habe ich den Flügel vor der Schnauze oder sitze am Gang. Jedenfalls waren auch die Nachbarn in unmittelbarer Sicht- und Hörweite ertragbar.
Beim Aufsteigen, das übrigens ziemlich lange gedauert hat, ist mir aufgefallen, dass meine Ohrstöpsel absolut luftdicht sind. Das hatte den unangenehmen Nebeneffekt, dass in meinem Mittelohr Überdruck herrschte, den ich natürlich immer wieder ablassen musste.
Die Lüfte hatten wir kaum gestürmt, übervorteilte uns die Bordbesatzung schon mit günstigen Speise- und Getränkeangeboten. Ich nützte die Gelegenheit lediglich, um mich über die nicht metrischen Angaben auf den Informationsbildschirmen zu beschweren. Die Antwort darauf war, dass das Flugzeug, eine Boing 737-700, brandneu wäre und die Anwendungen erst übersetzt werden müssten.
Obwohl die Lächerlichkeit dieses Argumentes wohl offensichtlich sein dürfte, werde ich hier näher darauf eingehen. Die 737-700 gibt’s seit Ewigkeiten (Rollout ’96), da wurden höchstens so Details wie ebenjene Informationsflachbildschirme hinzugefügt und selbst die sahen aus, als entstammten sie dem letzten Jahrhundert. Die Übersetzung würde zudem nur sehr wenig Zeit benötigen, außer die sind echt so dämlich und verwenden Fahrenheit in den Bordsystemen. Bei Fuß lasse ich es mir ja noch einreden.

Trotzdem wäre es eine Sache von Minuten, Fuß in Meter umzurechnen. Nebenbei möchte ich anmerken, dass

  1. die Verwendung nicht metrischer Einheiten in „traditionsbewussten“ Spezialgebieten eine Sauerei ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Verwendung von „Fuß“, „Meilen“, „Seemeilen“ und „Knoten“ oder gar „Pfund“ (englisches Pfund, für die Schubkraft) anstelle von Metern, Kilometern, Kilometern pro Stunde und Tonnen irgendwelche anderen Vorteile bietet, als dass sich die Alteingesessen darunter bisweilen mehr vorstellen können.
  2. die USA, obwohl faschistische Diktatur, sich bislang standhaft weigert, auf das metrische System umzustellen. Es gibt nur drei Staaten, die sich dem verweigern: Myanmar, Liberia und genannte nordamerikanische Diktatur.
    Zitat aus der Wikipedia [26.08.2008, 19:09]:
    Nur die USA sowie Myanmar und Liberia haben es noch nicht verbindlich eingeführt, wobei es jedoch in der Praxis von den beiden letztgenannten genutzt wird.
  3. die parallele Verwendung metrischer und nicht metrischer Systeme bereits wiederholt zu Unfällen geführt hat – unter anderem zum Verlust des Mars Climate Orbiter, bei dem das Navigationssystem des anliefernden Unternehmen Lockheed Martin in Pfund pro Sekunde und die NASA in Newton pro Sekunde gerechnet hat. Die Sonde hat dadurch um Faktor 4,45 zu große Kurskorrekturen vorgenommen und ist im Marsorbit verglüht.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Mars_Climate_Orbiter#Verlust

  4. sogar Großbritannien offiziell auf das metrische System umgestellt hat – 2005.
  5. die Einführung des metrischen Systems gute wirtschaftliche und wissenschaftliche Gründe hatte. Warum ausgerechnet die angeblich so fortschrittliche Wirtschaftsmacht USA mit völlig veralteten Systemen arbeiten, ist mir daher absolut schleierhaft.

Egal, beim Absteigen jedenfalls konnte ich auf das umgekehrte Prozedere vom Aufsteigen verzichten, mir war es ganz recht, dass mir die Ohren nicht wie vom Fahren mit der Seilbahn am Goldeck gewohnt ständig zufielen.
Die erste Überraschung am Flughafen Hamburg war, dass dieser eine praktisch noch bescheidenere Anbindung besaß als KLU. Wie dass? Die Pläne waren unlesbar, ich konnte ihnen nicht entnehmen, wo und ob überhaupt es denn eine U-Bahn in unmittelbarer Nähe gibt. Egal, mit meinem Orientierungssinn machte ich mich auf den Weg zu einer anderen Station, die geschätzte zwei Kilometer entfernt lag und, als ob das noch nicht genug wäre, gerade durch Schienenersatzverkehr bedient wurde, weil man mal wieder baute.
Der Marsch zum Haus der Burschenschaft Germania Königsberg versetzte mich regelrecht in Staunen – Hamburg ist tatsächlich eine ziemlich schöne Stadt; bei der nächsten Gelegenheit werde ich mich dort oben wohl mal ein paar Tage lang umsehen. Am Haus genannter Verbindung empfing man mich freundlich und zeigte mir sogleich mein Quartier. Aus dem anschließenden Höflichkeitsbier wurden mehrere (ich schätze so um die fünf oder sechs), die ich mit Mineral und Sprite abzulöschen versuchte. Dennoch, Jever, ein meinem Geschmack nach köstlich schmeckendes Dunkelbier, beschwor prompt die Nebel des Alkohols, die mich vermutlich wirr reden ließen. Genau weiß ich es nicht und will ich es eigentlich auch nicht wissen. Nach einer Führung durch das Haus begab ich mich schließlich zu Bette, mit der Befürchtung, am nächsten Tag nicht zum Zug zu kommen.
Glücklicherweise stellte sich diese Annahme als nicht komplett richtig heraus. Eine Tortur wurde es trotzdem, denn ich musste mich zwar nicht übergeben (dies hatte ich vor dem Einschlafen schon freiwillig versucht…), aber der Kater war grausam. So angeschlagen kämpfte ich mich mit meinen geschätzten fünfzig Kilogramm Gepäck zum Bahnhof Hamburg Dammtor, von dem aus ich die Straßenbahn nehmen wollte; schlussendlich war ich aber sowohl zu geizig als auch zu feige und ging zu Fuß zum Hauptbahnhof, nur um dort festzustellen, dass mein Zug sowieso in Dammtor hielt. Den Kater bekämpfte ich zwischenzeitlich mit Fraß von McDonalds, wie gewohnt ausschließlich mit Hühnerfleisch. Diesmal probierte ich den McChicken deluxe, denn es in normalen McDo-Filialen ja gar nicht gibt. Schmeckte überzeugend, ist mir dann aber doch zu teuer, zumal ich die dicke Mayonnaiseschicht am normalen McChicken ganz gerne mag…
Die Bekämpfung scheint funktioniert zu haben, denn bei der Ankunft in Dagebüll Mole war ich, auch dank anständigem Schlaf zwischendurch, fast vollständig ausgenüchtert, den restlichen Alkohol trieb mir wohl der Meereswind aus.
Die Überfahrt auf der Fähre genoß ich in vollen Zügen, die Kombination aus gutem, lauem Wind und Sonnenschein ist eine herrliche Kombination, die mich sofort an meine Heimat, die Berge, erinnerte.
Die Ankunft auf Amrum war von Komfort geprägt – Fiete holte mich mit dem Transporter praktisch direkt vor der Landungsbrücke ab. Uns begleitete Ulrike, die Küchenchefi von Ban Horn.
Dort angelangt führte mich Fiete in mein Zimmer – eines der Zimmer, das normalerweise Lehrer belegten und so nebenbei das einzige mit eigener Dusche. Danke nochmals, Fiete. ;)
Was danach passierte, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr in chronologischer Reihenfolge – es war einfach zu viel los. Ich glaube aber, dass er am Abend einen Bernsteinkurs abgehalten hat und wir vorher am Strand waren – der mich hellauf begeistert hat. An jenem Tag lief auch der „Sandstrahler“, ein bodennaher Wind, der Sandkörner in hohem Tempo den Strand entlangzieht. Gleichsam ein natürlicher Windkanal. Schon auf trockenen Füßen seltsam piecksend, entwickelte er sich nach einem kurzen Fußbad fast zur Quälerei, weshalb wir schnell wieder ins Wasser flüchteten, das eine angenehme Temperatur hatte.
Zu meinem Leidwesen ist das Betreten der Dünen aus guten Gründen verboten. Richtig, schlechte Gründe hätten mich nicht geschert, ich halte mich zumindest für ein denkendes Lebewesen, dass sich nur durch Argumente überzeugen lässt. Dafür durfte man von den Hagebutensträuchern essen, deren Früchte alle gerade reif waren. Sie werden übrigens unter anderem vom Personal von Amrum zu Marmelade verarbeitet, um sich ein Taschengeld zu verdienen. Wie sie schmeckt, werde ich wohl mit meinen Eltern in den nächsten Tagen erkunden.
Die nächsten Tage bargen vielschichtige Beschäftigungen, von einfachen Zimmerkontrollen, bei denen ich mich als viel zu pingelig herausstellte, über die Reinigung eines verstopften Abflußes bis zum täglichen Abholen der Reste der örtlich Bäckerei (Kuchen & Brötchen für lau – lecker g’schmackig!) war alles dabei.
Diese Tätigkeiten bezogen sich aber mehrheitlich auf dem Vormittag, da die neue Heimleiterin Fiete netterweise erlaubte, vor zu arbeiten und in dieser Woche mehr oder weniger nur halbtags zu arbeiten. So richtig klappte das zwar fast nie, aber auch die Beschäftigung am Vormittag war immer wieder interessant – da konnte ich richtig verstehen, warum man sich auch für den Zivildienst entscheiden kann, zumal der in Deutschland gleich lang wie der Wehrdienst dauert.
Apropos Wehrdienst, eine weitere Tätigkeit, die Fiete und ich mit Leidenschaft betrieben haben, war das Aufstellen und „Warten“ der Katzenfalle, mit der wir unter anderem einen Igel (ja, der gleiche…) und zwei kleine rote Wildkatzen gefangen haben. Natürlich haben wir die Kätzchen mit den süßen, großen Kulleraugen und dem feurigen roten Fell nicht getötet. Wir haben sie nur in den alten Hühnerstall gesperrt, nachdem wir ihn entsprechend vorbereitet hatten, das Ding hat nämlich klugerweise ein Doppeltürensystem. Während das bei der ersten Katze ja noch ganz lustig war, weil die sich erst aus dem Käfig bewegte, als er senkrecht stand und ich von oben hineinschaute, verging zumindest mir der Spaß bei der zweiten Katze. Die Katze mit den Stiefeln erwies sich nämlich als äußerst kämpferisch – die kam aus dem Käfig, rannte in den Hühnerstall, merkte, dass es dort nicht weitergeht und kam zurück, um mit voller Wucht gegen die Holztür zu springen und mit wilder Kraft zu versuchen, den Spalt zu vergrößern… Ich habe sie notgedrungen brutal heruntergerissen und in den Hühnerstall zurückgeschleudert, wo sie sogleich dreimal gegen die Fensterscheibe sprang, wohl in der Hoffnung, es möge zerbrechen… Bei einem nochmaligen Besuch im Hühnerstall biss sie mich in die Daumenwurzel der linken Hand und zerkratzte mir den rechten Unterarm. Bei meinem letzten Besuch hatte sie den Widerstand aufgegeben und hockte eng an ihre Schwester gekuschelt in der Ecke und beide schauten mich mit ihren großen Kulleraugen an – süß!
Was das jetzt alles mit dem Wehrdienst zu tun hat? Tja, noch am selben Nachmittag ist der Bäcker gekommen und hat die beiden erschossen. Und die Moral von der Geschichte? Zivis töten nicht, aber sie machen es für die Soldaten erheblich leichter.
Am Nachmittag gingen wir dann mehrheitlich unseren eigenen Beschäftigungen nach, was die Wartung des Weltnetzverteilerknotens am Dach des Schullandheimes, Drachenfliegen („Powerkiting“) am Strand als auch einen inselumfassenden Radausflug beinhaltete. Lediglich einmal musste ich mich für ein paar Stunden selbst beschäftigen, was mir leichter fiel als befürchtet. Die Umrundung der Nordspitze von Amrum stellte sich nämlich als wesentlich langwierigeres Unterfangen heraus, als geahnt. Ähnlich dem Effekt in den Bergen, dass der Gipfel immer viel näher scheint, als er wirklich ist, wollte die Spitze einfach nicht nahe kommen, zumal man sich nur am Strand aufhalten darf – das dazwischen ist Vogelschutzgebiet und darf nicht betreten werden.
Dank der erwähnten allabendlichen Versorgung durch den Bäcker, der schmackhaften Küche (der fürs Personal :D ) und regelmäßigen Einkäufen in der Stadt zur Schokoladenversorgung fiel ich auch nicht vom Fleisch. Der kulinarischen Höhepunkte war aber der Besuch des Teehauses, in dem ich eine Palatschinke mit Camembert mit Preiselbeeren verspeiste – Pfannkuchen sind die kulinarische Spezialität des Hauses. Begeistert hat mich auch der Tee, auch wenn ich mich leider nicht mehr an den Namen erinnern kann.
Mit einer kleinen Teesammlung hat mich auch Natalie, die junge und erst kürzlich auf Ban Horn beschäftigte Hauswirtschaftsleitering, beeindruckt, genau wie mit ihren charmanten Wortgefechten mit Fiete. Mir lag mehrmals auf der Zunge: „Was sich liebt, das neckt sich.“. Aber was geht mich das an, ich bin viel zu neugierig…
Den abschließenden Höhepunkt bildete die Wattwanderung, geführt durch Ornithologen Matze. Das herrlich schmatzenden Geräusch des Watts würde ich gerne mal wieder fühlen. Ich hoffe auch, dass sich Matze einmal dazu entscheidet, die Vogelarten der Alpen aus der Nähe zu betrachten – dann nehme ich ihn im Gegenzug auch mit zum Bergsteigen.
Zur Insel bleibt mir nur zu sagen: Ich mag wieder hin.

Nach einem vergleichsweise eiligen Abschied (Jaja, der Montag ^^) ging es wieder auf die Fähre, auf der ich das diesmal nicht so tolle Wetter mied und mich der Schaffung einer Klasse des Projektes Medicus widmete und nebenbei ein Matjesfilet mit Ofenerdäpfel und Sauerrahmsauce genoß. Die Zugfahrt nach Hamburg und weiter nach Leipzig lässt sich mit einem Wort beschreiben: Langweilig. Bis auf die für die deutsche Bahn scheinbar übliche Verspätung gab es keine besonderen Vorfälle.
Haarig wurde die Sache dann in Leipzig. Statt wie gedacht um 19:15 Uhr traf ich erst um ca. 20:00 Uhr bei der Wohnung ein, da ich vergessen hatte, mich zuvor auf Google Maps (verdammte Abhängigkeit) schlau zu machen, die Straßenbahnkarten dafür zu abstrakt waren und eine Besonderheit der Straße mir auch nicht grade behilflich war. Die Straße heißt nämlich zuerst anders und verzweigt sich dann.

Schlussendlich half mir nur der Stadtplan, den mir die Messe glücklicherweise mit meiner Fachbesucherkarte zuschickte. Mit einigen Anläufen und mehreren hundert Metern Fehlweg klappte es schließlich doch und ich wurde vom Hausmeister herzlich empfangen. Der sympathische Mann zeigte mir die ganze Wohnung und ging mit mir die Inventarliste durch, bevor ich den Vertrag unterzeichnete. Sollte da nicht noch etwas kommen, so danke ich an dieser Stelle der Pro-Leipzig, dass mir offensichtlich als Entgegenkommen für die Mieterhöhung (um drei Euro), die zwischen meiner Reservierung und der eigentlichen Bezahlung stattgefunden hatte, die Endreinigungsgebühr (immerhin zehn Euro) erlassen wurde. Da komme ich doch gerne wieder…
Zwei Querstraßen weiter fand ich ein kleines Lokal, dass von italienisch über griechisch bis türkisch praktisch alle gängigen Speisen anbot. Die gewählte Lasagne war zwar nicht die erhoffte Geschmacksbombe, aber auch nicht schlecht. Dennoch, merke: Eier vom Nachbarn schmecken sicher auch in der Lasagne besser als die Eier aus der Fabrik. Danach ging es ab ins Bett, schließlich wollte ich Tom (CaptProton) am nächsten Morgen vom Bahnhof abholen.
So geschah es auch und wir begaben uns direkt zur Messe. Dort holten wir unsere Ausweise ab und begaben uns in die praktisch leeren Hallen. Laut Messe waren lediglich 1 200 Fachbesucher anwesend, was wohl bedeutet, dass die Zahl der Mitarbeiter der Messe und an den Ständen bedeutend größer waren. Die Tatsache, dass es meist nur jene Standmitarbeiter waren, die an den Rechnern und Konsolen spielten, scheint das zu bestätigen. Selbst Publikumsmagneten wie Far Cry 2 waren bestenfalls gut besucht; es war kein Problem, auch selbst zu zocken – beliebig lang. Bis auf die EA-Pressekonferenz, die unmittelbar um neun Uhr stattfand fand man auch kaum mehr als zehn, zwanzig Personen auf einem Fleck, die Pressekonferenz von Deepsilver zu X3: Terran Conflict und die zu Risen waren praktisch leer; dementsprechend dürften Station-Network.de die einzigen sein, die die 35 minütige Pressekonferenz zu X3: TC anbieten können.
Dass der Presseausweis nochmal besser ist als der Fachbesucherausweis zeigte sich an diesem Tag lediglich am Stand von Fallout 3, in den zumindest zeitweise nur Journalisten kamen. Vielleicht nächstes Jahr.
Bedingt durch den geringen Druck hatten Tom und ich die Messen größtenteils in einem Tag abgearbeitet und so begaben wir uns um etwa 16:30 nach Hause, wo wir unsere Sachen ablegten. Danach gingen wir ins Kino, was sich als absoluter Glückstreffer herausstellte, weil an eben jenem Abend die Vorpremiere von Batman – The Dark Knight lief; unterbrechungsfrei und mit einem Gratisbier. Damit wäre auch die Behauptung des IFPI wiederlegt, wer sich eine illegale Kopie ziehe, würde sich den Film nicht im Kino ansehen. Ich möchte ihn sogar noch einmal sehen, und zwar auf Englisch. Der nächste Tag zog sich hin, das Mittagessen blieb mir allerdings als kulinarisches Erlebnis in Erinnerung; wir speisten im Selbstbedienungsrestaurant Hühnchenbrust auf Erdäpfelcretin ([KRÄTNN]) und Brokkoli mit Weißweinsauce.

Außerdem erwähnenswert ist, dass wir beide jeweils für sich das Crysis Warhead Demolevel vollständig durchgezockt haben – ich für meinen Teil auf Schwierigkeitsgrad „Delta“ – ergo ist das Spiel viel zu leicht, ich darf außer „Leicht“ eigentlich nichts schaffen (habe Crysis auch auf Delta durchgezockt…). Das Ganze ohne zeitlichen oder moralischen Druck – hinter uns wartete keine Schlangen. Nach dem Demolevel widmete ich mich dem Spiel mit dem Flammenwerfer in Far Cry 2, da Tom etwas länger brauchte – jaja, die (ehemaligen) Soldaten. *tststs*

Das Beste daran war, dass keine zehn Meter weiter bereits am Donnerstag eine lange Schlange vor einem Stand darauf wartete, Far Cry 2 anzuspielen, zusätzlich zu der am Far Cry eigenen Stand. Das änderte sich auch am Freitag und Samstag nicht, als die Schlange vor den genannten anderen Ständen *wirklich* lange wurden – genial! Leider interessierten sich unsere Besucher entweder nicht dafür oder waren jeweils um wenige Wochen zu jung dafür.

Am Freitag dann kam BigMag (er wird sicher wollen, dass ich seinen richtigen Namen nicht erwähne) direkt am Bahnhof Messe an, was dazu führte, dass er auf Tom und mich warten musste, da wir es mittlerweile gemütlicher angingen. Problem war es dennoch keines, weil BigMag eine genaue Liste der Stände mit ihren Koordinaten hatte, die er sich ansehen wollte. So hatten wir schon zu Mittag alles halbwegs interessante abgegrast und BigMag wurde durch die Erfahrung, dass Star Wars – The Force Unleashed nur für die Wii (oder zumindest nur für Konsolen, nicht für den Rechner) erscheint, nicht grade aufgemuntert.

Beim Mittagessen merkten Cap und ich, dass die Portionen seit Mittwoch irgendwie geschrumpft waren und so beschlossen wir, unser /richtiges/ Mittagessen in der Stadt einzunehmen. So verliesen wir schon um 14:00 die Messe und begaben uns in die Innenstadt, in der sich die Suche nach einem passenden Lokal vorerst als schwierig gestaltete. Schlussendlich konnten wir unseren Hunger aber im Pepper House zur vollsten Zufriedenheit stillen – ich hatte ein Pfandl mit allen möglichen Variationen gebratenen toten Tieres. Vom Nachtisch, der „Leipziger Lerche“, riet mir das Fräulein selbst ab – es sei fade.

Nach einem abschließenden Eis im Bahnhof entließ ich Tom und BigMag in den Zug nach Hamburg. Den Abend verbrachte ich mit Nachlesen im Forum und einer Kritik und Ermahnung von DSE wegen unerlaubter Verwendung urheberrechtlich geschützten Materials. Dies dauerte so lange, dass ich letztlich erst um 14:00 Uhr morgens ins Bett kam und mich außer Standes sah, Sven (Samuel Creshal) um sechs vom Bahnhof abzuholen, geschweige denn DSE um 4:45. So trafen bzw. suchten wir uns kurz nach neun in der zentralen Messehalle.

Ohne richtigen Plan begaben wir uns zuerst in die Halle drei – die „klassische“ Halle, weil sich in ihr wirklich alles um die Spiele selbst dreht und dort die Stände von Electronic Arts, Deepsilver und einigen anderen stehen – die zwei namentlich genannten fallen mir jedoch deswegen sofort wieder ein, weil EA den gleichen Aufbau wie im letzten Jahr benutzt und Deepsilver den von Jowood im letzten Jahr. Eher weniger zielstrebig wanderten wir durch die Halle, bis Sven den Wunsch äußerte, Starcraft 2 anzuspielen, dass sich in Halle fünf befand. Dort standen wir also… Schätzungsweise eine Stunde oder mehr, schön abgestuft in Viertelstundenschritten. Svens Kommentar zu Starcraft 2: Starcraft 1 mit deutlich besserer Grafik. Aja, dass hat sich dann also gelohnt… Zumal ich (freiwillig) nicht mal zockte, weil mir das Spiel nichts bedeutet.

Ein anschließender Streifzug durch Halle vier führt unter anderem mehrmals an Rapidshare-Damen vorbei, die uns freundlicherweise immer neue Werbegeschenke in Form von Premium-Konten gaben – ich schätze, es sind Zwei-Tages-Konten. Da mir Creshal seine Karten großzügigerweise überlies, komme ich nun auf stolze sechs dieser wertvollen Stücke, die ich bei Gelegenheit einlösen werde. Mir schwant allerdings Böses: Möglicherweise laufen sie mit Messeende aus und starten nicht, wie ich es hoffe, erst beim Einlösen.

Auf Grund der Allerweltsgesichter der drei Herren (zu Sven und DSE kam noch Mobius, der auf STN nicht aktiv ist und mir daher de facto unbekannt) verlor ich sie immer wieder aus den Augen, schlussendlich fanden wir uns aber zum gemeinsamen „Mittagessen“ wieder. Selbiges bestand aus einer mageren Bratwurst und einer Semmel für Zweifünfzig, in der Stadt bekommt man das überall um Einsfünfzig – Abzocker!

Da auch die Herren nicht viel mehr zu besuchen wussten, verliesen wir an die Messe gar schon um 13:30, was sich als durchaus problematisch herausstellte, weil Svens Zug erst um 17:45 ging und der von DSE und Mobius gar erst um etwa zehn Uhr abends. So beschlossen wir, bei McDo Kraft zu tanken und saßen mehrere Stunden in der Bahnhofshalle und laberten über Waffen und die Gebirgsfestung Schweiz, da DSE und Mobius aus der Schweiz kommen.

Nachdem Sven seine zehnstündige Heimreise angetreten hatte, begaben sich DSE, Mobius und ich ins Kino, um uns „Leg dich nicht mit Zohan an“ anzusehen. Es war eine gute Entscheidung gewesen, den der Film entpuppte sich als echter Brüller – sehr spitz, aber meiner Meinung nach wurde der Bogen nie überspannt, auch wenn einige Szenen die Grenze zum Makaberen touchierten.
Nach dem Film verabschiedete ich mich Richtung Wohnung, wo ich erfolglos versuchte, eine Verbindung ins Internet aufzubauen – der Funkwolkenknoten war verschwunden. So blieb mir nur das Fernsehen, in dem ich unter anderem eine äußerst interessante Dokumentation über drei vor der Küste Cornwalls liegenden Wracks deutscher U-Boote aus dem zweiten Weltkrieg sah.

Am nächsten Tag erwachte ich bibbernd schon um sieben Uhr, obwohl ich die Fenster nur gekippt hatte. Bis ca. halb neun bibberte ich vor mich hin, bis ich mich schließlich dazu durchrang, aufzustehen und mit dem Zusammenräumen zu beginnen. Mitten im schönsten Putzen rief mich dann meine Mutter an und fragte, wann ich denn kommen würde. So merkte ich erst, dass sich „22:12“ auf die Ankunft am Hauptbahnhof in Salzburg bezog, nicht auf Spittal an der Drau. Dummerweise geht der nächste Anschlusszug erst um 13:36 morgens (in dem ich gerade diese Zeile tippe) und kommt irgendwann um 16:30 morgens in Spittal / Drau an, sodass ich dafür einen meiner Elternteile aus dem Bett jagen müsste. Daraufhin wolle Frau Mutter, dass ich entweder den Zug um 00:16 mittags oder um 01:11 mittags nehme – mein Zug geht ja erst um 03:11 nachmittags. Als ich dann um 23:30 mittags am Bahnhof stehe, ärgere ich mich zuerst mit den Automaten und dann der Warteschlange vor der Fahrkartenverkaufsstelle herum, nur um zu erfahren, was ich eh die längste Zeit schon befürchtet habe: Beide Züge sind hoffnungslos ausgebucht.

Ergo darf ich von 0:00 mittags bis 03:11 nachmittags warten. Zuallererst genehmige ich mir daher ein Frühstück bei Subways – einer tollen Fastfood-Kette, die in Östtereich leider schwer zu finden ist. Danach versuche ich es in einem Bücherladen, aber weder führt er das Buch, dass ich seit längerem suche, noch bietet er Sitzgelegenheiten außerhalb des Cafés, in dem außerdem alle Tische belegt sind. Da bleibt mir nur eine gemütliche Bank auf Bahnsteig sieben, wo ich irgendwie die nächsten Stunden herumgebracht habe.
Als wäre das nicht genug, habe ich mir nächtens außerdem einen kräftigen Schnupfen eingefangen, so dass meine Befürchtung, zu wenige Taschentücher eingepackt zu haben, sich voll und ganz zu bewahrheiten droht. Ich versuche die einzelnen Tücher so gut es geht zu nutzen, aber das wird knapp. Weil diese eine Manie kaum jemand von euch von mir kennen wird: Ich bin Taschentuchfanatiker, normalerweise enthält jedes Gepäckstück mindestens eine Packung, der große Rucksack gar bis zu fünf, je nach Reiselänge. Diesesmal habe ich aber das Nachfüllen vergessen und in meiner aktuellen Hose befand sich nur eine Packung mit der halben möglichen Anzahl an Papiertaschentüchern (die komplizierte Formulierung verhindert, dass ich als Optimist oder Pessimist enttarnt werde). Eine Katastrophe… Glücklicherweise befand sich im großen Rucksack noch eine und auch in meinem kleinen hatte ich selbstverständlich noch eine untergebracht – schließlich muss der auch sonst öfter als Reservelager herhalten. Aber ausgerechnet auf der Heimreise wird es knapp… Die Nase läuft schneller, als ich Flüssigkeit nachkippen kann.
Im ICE geht’s dann blitzeschnelle langsam nach München, wo ich auf einen IC umsteige – ich hatte die ganze Zeit in der Annahme verbracht, auch von München nach Salzburg ginge ein ICE. Die Reise im IC war jedenfalls interessant, möglicherweise werde ich auch einfach schizophren. Zumindest schien mich ein Mann, der mir diagonal gegenüber saß, ständig zu beobachten und sogar zu versuchen, mich zu animieren. Z.B. als ich mit der leeren Fanta-Flasche spielte, entwickelte er eine neue Variation, die ich beinahe kopiert hätte. Zudem wich er meinen Blicken ständig aus und, als ich zum Telefonieren in den Bereich am Ende des Wagons ging, folgte er mir, ging einen Wagon weiter und drehte sich um, um mich zu beobachten. Alsbald ich zu meinem Platz zurückkehrte, fand auch er sich seltsamerweise wieder ein. Die folgende halbe Stunde war geprägt von gegenseitigem Belauern, bis er sich schlussendlich dazu entschloss, an das mir zugewandte Ende des Großraumwagons zu ziehen, so dass ich nur noch seine Glatze wahrnahm. Um sicherzustellen, dass ich nicht schizophren bin, bereitete ich daraufhin meine Handykamera vor, um ein Bild von eben jenem Mann zu schießen – dummerweise verfüge ich über keine Möglichkeit, das Bild auf den Rechner zu überspielen.
Die Krönung des Ganzen war aber, als er mich ansprach (slawischer Akzent), ob er sich mein Mobiltelefon ausleihen könnte, um jemanden von seiner Verspätung zu informieren – ich reagierte darauf mit einem: „Muss ich mir erst überlegen“. Glücklicherweise fand er offensichtlich einen anderen Trottel, denn er unterhielt sich augenscheinlich mit einem jungen Mann in meinem Sichtfeld über das gleiche „Thema“, jedenfalls hat er mich nicht mehr angesprochen.
In Salzburg angekommen begab ich mich in den Warteraum, wo ich sogleich mit diesem Text begann. Beinahe wäre auch der Akkuwechsel genau mit dem Eintreffen des Zuges zusammengetroffen, sie verfehlten sich nur um rund fünfzehn Minuten. Und hiermit schließe ich meinen Reisebericht zur Deutschlandrundreise 2008 um Punkt 14:30 morgens.

Oder auch nicht. Es ist 16:27 morgens und ich sitze am Hauptbahnhof Villach. Villach? Wieso Villach? Wolltest du nicht nach Spittal?
Tja, die Frage hab’ ich mir und dem Schaffner auch schon gestellt. Die Antwort des Schaffners: „Der Zug hielt heute nicht in Spittal, aber in Badgastein. Er hat aber auch schon in Spittal gehalten…“ . Dummerweise habe ich meinen Wunsch nämlich nicht dem Schaffner mitgeteilt und bin eingeschlafen, sodass ich die Durchfahrt durch Spittal glatt verpasst habe, in Erwartung, dass ich erst nach vier in Spittal ankommen würde. Ein regelrechtes Informationswirrwar, gepaart mit der Unfähigkeit der Bahn. Jetzt warte ich auf den Zug um 17:28 morgens, obwohl ich meinen Eltern gesagt habe, ich käme mit dem um 18:11 morgens. Schuld daran ist die dämlich Anzeige in der Halle, die diesen Zug aus unerfindlichen Gründen verschweigt, lediglich das gute alte gedruckte Plakat gibt diese Auskunft. Meine Eltern möchte ich jetzt aber nicht nochmal wecken, stattdessen werde ich wohl in Spittal eine heiße Schokolade trinken und mich daran erfreuen, dass es mir so gut geht, hier sitzen zu können und mich auf einem Laptop darüber beschweren zu können, dass ich ein paar Stunden später oder früher als geplant dorthin komme, wo ich will – wenn man keine anderen Sorgen hat, geht es einem meines Erachtens sehr gut.

16:55 morgens – mal sehen, was mir im Laufe des Tages noch so alles einfällt…